Man neigt dazu zu denken, dass ein Tagebuch etwas ist, in dem man die Dinge aufschreibt, die an diesem Tag passiert sind.
Was habe ich morgens gemacht? Wen habe ich getroffen? Wohin bin ich gegangen? Worüber habe ich nachgedacht?
Das reicht natürlich aus. Aber ein Tagebuch endet nicht nur an diesem Tag. Wenn man es später wieder liest, können darin andere Bedeutungen auftauchen. Kleine Gefühle, die der Autor selbst vergessen hatte. Ein Ort, der damals nichts Besonderes war. Wörter, die irgendwie interessant waren. Solche Dinge kann man erst mit der Zeit in Ruhe erkennen.
Für das zukünftige Ich.
Wenn man ein Tagebuch schreibt, denkt man als gegenwärtiges Selbst nicht viel an sein zukünftiges Selbst. Man hinterlässt nur die Dinge, die an diesem Tag passiert sind. Aber wenn das zukünftige Ich es nach sechs Monaten oder einem Jahr liest, kann darin etwas wie eine Karte sichtbar werden. Damals war ich immer wieder bei den gleichen Dingen unsicher. Ich wurde immer wieder von denselben Orten angezogen. Dieselben Worte wurden auch in anderen Artikeln verwendet. Was anfangs nur ein Punkt war, erscheint später als Linie. Bei Aufzeichnungen gibt es diese verspätete Art der Bereicherung.
Man muss nicht unbedingt gut schreiben.
Deshalb ist es nicht notwendig, ein Tagebuch "gut" zu schreiben. Man muss keine schönen Sätze bilden. Man muss keine Schlussfolgerungen ziehen. Wenn das gegenwärtige Ich etwas nicht versteht, kann man es einfach so aufschreiben, wie es ist. Eher noch können diese Unklarheiten später nützlich sein. Eine Zeile, in der steht: "Ich finde das irgendwie interessant", könnte für das zukünftige Ich eine wichtigere Information sein als ein erzwungen zusammengefasster Text.
Als kleine Karte.
Auch die Aufzeichnungen, die bei Wayanata geführt werden, sind von Anfang an keine vollständige Karte. Träume, Reisen, Meditationen, alltägliche Unregelmäßigkeiten. Diese Dinge sind im Moment des Schreibens voneinander getrennt. Wenn man sie aber aufbewahrt, können zukünftiges Ich oder zukünftige KI daraus einen Weg finden. Die heutigen Notizen sind nicht nur für heute. Ein Tagebuch wird zu einer Karte für das zukünftige Ich. Wenn man das bedenkt, erscheint selbst eine kurze Zeile etwas wertvoller.